Am 29. April 1972 fand in Münster die erste Schwulen-Demo der Bundesrepublik statt. Nach Aufruf der Aktionsgruppe HSM („Homophile Studenten Münster“, später umbenannt in „Studentische Aktionsgruppe Homosexualität Münster“) trafen sich in Münster über 200 Teilnehmende, um gemeinsam zu demonstrieren und mit der Bevölkerung zu diskutieren. Wichtige Themen gab es damals genug: vor allem Berufsausübungsverbote für homosexuelle Lehrkräfte, aber auch Bildungspläne zur Sexualerziehung und die Diskriminierung auf den Schulhöfen, also Themen, die uns teilweise noch heute bekannt vorkommen. In der Demo-Einladung wies die HSM besonders auf die Wichtigkeit der Solidarisierung mit anderen Gruppen, vor allem Gewerkschaften hin. Die Demonstration gilt als wichtiges Ereignis der zweiten Schwulenbewegung der Bundesrepublik.

45 Jahre später möchten der CSD Münster e.V., das KCM, LiVas Münster und das Schwulenreferat des AStA der Uni Münster an das Ereignis erinnern und die Frage stellen, welche Bedeutung es für queer*politische Bewegungen von heute hat. Unter dem Motto „Schwulendemo damals – LSBTI*-Bewegung heute“ findet am 27. April um 19 Uhr eine Podiumsdiskussion statt. Was sind die Gemeinsamkeiten der Schwulenbewegung damals und der heutigen LSBTI*-Bewegung? Was unterscheidet sie? Welche Ziele hat die Bewegung erreicht? Welche Probleme stellen sich immer noch, welche sind hinzugekommen? Wie politisch waren die Bewegungen damals und heute? Wie hat sich die Community geändert durch die Sichtbarkeit weiterer Gruppen und die zunehmende Diversität? Und warum spricht man eigentlich immer noch von der ersten „Schwulendemo“ (Wikipedia), wenn doch auch Lesben mitdemonstrierten? Moderiert wird der Abend von Patsy l’Amour laLove. Patsy l’Amour laLove ist Polit-Tunte aus Berlin und forscht zur Homosexuellenbewegung der 1970er Jahre. Mit Beiträgen in diversen Medien beteiligt sie sich an aktuellen Diskussionen zu queeren Themen. Zuletzt erschien ihr Sammelband „Beißreflexe. Kritik an queerem Aktivismus, autoritären Sehnsüchten und Sprechverboten“.

Am 29. April will die LSBTI*-Bewegung an ihre Anfänge erinnern und die Demo von 1972 neu aufleben lassen. Ab 11.30 wird auf der Original-Route von 1972 demonstriert und auf aktuelle Missstände im Jahr 2017 aufmerksam gemacht. Alle Interessierten und Aktivist*innen sind dazu aufgefordert, auch einmal abseits der CSD-Saison für Akzeptanz, Vielfalt und gegen den aktuellen Rechtsruck zu protestieren. Treffpunkt ist der Schlossplatz vor der Uni Münster. Die Demo endet in der Stadt mit einem kleinen musikalischen Programm und Redebeiträgen aus der queeren Community. (Pressemitteilung März 2017 von A.Sahner, CSD Münster e.V.)